26. März 2021

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Lärm – Folter oder nur ein gedankliches Konstrukt?

Wenn du lieber zuhören magst, erzähle ich dir hier die Geschichte 🙂


Vor einigen Tagen las ich abends im Bett in dem sehr empfehlenswerten Buch von Byron Katie Eintausend Namen für Freude. Katie ist ja besonders dafür bekannt, dass sie wirklich alles, was gerade ist, so annimmt, wie es ist.

Deshalb existieren für sie auch keine Begriffe wie „schön“ oder „hässlich“. Katie liebt jeden Menschen genauso, wie er ist und bewertet ihn nicht.

Für Katie gibt es zum Beispiel auch keinen Lärm. Für sie ist das lediglich ein gedankliches Konzept.

Als ich so darüber nachdachte, fiel mir auf, dass auch ich Geräusche in gute und schlechte Geräusche, in angenehme und unangenehme unterteile.

Gute und schlechte Geräusche

Dem Meeresrauschen kann ich stundenlang zuhören, das empfinde ich als sehr angenehm und es beruhigt mich. Das Rauschen vorüberfahrender Autos an einer Autobahn macht mich dagegen eher aggressiv. Vogelgezwitscher ist natürlich, ein gutes und schützenswertes Geräusch. Baulärm von lauten und staubigen Maschinen ist störend.

Wieso ist das eigentlich so?

Könnte es vielleicht sein, dass ich ein Geräusch dann als angenehm empfinde, wenn ich etwas Angenehmes über den Verursacher denke?

Mit diesen Gedanken im Kopf bin ich gerade am Wegschlummern, als ich es höre.

Erst noch ganz leise, kurz, verhalten und mit langen Pausen dazwischen.

Aber dann wird es immer intensiver und anhaltender.

Meine Freundin neben mir beginnt zu schnarchen.

Ich will sie gerade ganz sacht und liebevoll auf die Seite drehen, als mir die Worte aus dem Buch in den Sinn kommen: „…gedankliche Konzepte wie Lärm, die es in ihrer Erfahrungswelt nicht gibt…“.

Kann man Schnarchen ignorieren?

OK, denke ich mir, das ist genau die Chance, mein eigenes „gedankliches Konzept von Lärm“ zu testen.

Über den Verursacher denke ich ja bereits angenehm.
Dann verbinde ich dieses angenehme Gefühl einfach mit dem Schnarch-Geräusch…

…und schon fühlt sich ihr Schnarchen an wie fröhliches Vogelgezwitscher an einem sonnigen Frühlingsmorgen.

Und so drehe ich mich zu meiner Freundin und beginne, ganz aufmerksam und konzentriert ihren Lauten zu lauschen.

Doch das geht nicht lange gut.

Während sich langsam mein Magen zusammenzieht, wird es in meiner Brust immer enger und ich habe das Gefühl, da legt jemand eine Betonplatte nach der anderen drauf. Ich versuche, langsam und konzentriert zu atmen, wie ich es beim Meditieren gelernt habe.

Doch meine Atmung wird im Gegenteil immer schneller und flacher.

Gleichzeitig frisst sich eine kreischende Kreissäge durch mein Gehirn und von der linken Schläfe aus breitet sich ein Schmerz in den ganzen Kopf aus. Als wenn der Zahnarzt beim Bohren auf eine Wurzel trifft. Ohne Betäubung.

Das war kein Vogelgezwitscher!

Ich kann nichts anderes mehr wahrnehmen. Der Schmerz hüllt mich vollständig ein. Ich denke nur noch: „Ich will das nicht! Das soll aufhören! Ich schaffe das nicht! Und Katie glaube ich das auch nicht – von wegen, es gibt keinen Lärm!“

Ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Außer diesem einen: So kann ich nicht schlafen.

Es ist die reinste Folter, der ich mich da aussetze. Doch das Überraschendste dabei ist, wie ich unterschwellig bemerke, dass die eigentlichen Schnarchgeräusche gar nicht übermäßig laut sind.

Ist Lärm real?

Es spielt sich alles nur in meinem Kopf ab.

Und je mehr ich mich dagegen auflehne, umso stärker und stressiger wird es. Ein paar Mal überlege ich noch, den Selbstversuch abzubrechen, aber das lässt mein Ego nicht zu. Also leide ich weiter.

Doch auf einmal:

S T I L L E

Meine Freundin hat sich von alleine auf die Seite gedreht und schläft geräuschlos weiter.

Ich brauche noch eine kleine Weile, bis sich mein aufgewühlter Zustand wieder beruhigt hatte, doch bald kann ich ermattet, aber glücklich einschlafen.

Während ich so friedlich ins Reich der Träume hinübergleite, nehme ich mir vor, unbedingt meine stressigen Gedanken zum Thema Lärm mit einer Work zu untersuchen.

Stimmt es wirklich, dass ich so nicht schlafen könne?

Wie schlafe ich trotzdem?

Wenn ich trotz des Schnarchens schlafen könnte, dann wäre das nicht nur praktisch, sondern richtig cool – und ich würde mich weiterhin mit meiner Freundin verbunden fühlen. Ich wäre nicht mehr angewiesen auf Ruhe.

Das will ich unbedingt herausfinden!

Am nächsten Tag begebe ich mich deshalb meditativ wieder in die Situation der vergangenen Nacht hinein. Der ganze Stress steigt sofort wieder in mir hoch.

Bei der Frage, welche Bilder aus meiner Vergangenheit auftauchen, wenn ich den Gedanken glaube „So kann ich nicht schlafen“, kommt sofort ein Ereignis aus meiner Studentenzeit hoch. Das hat mit Schnarchen allerdings gar nichts zu tun. Damals machten nachts ein paar Mitstudenten im Gemeinschaftsraum direkt neben meinem Zimmer Party und hatten ihren Ghettoblaster auf Anschlag aufgedreht. Ich fühlte mich irgendwie persönlich angegriffen und beschloss, dagegen anzugehen. Ich suchte mir meinen lautesten Song raus und drehte die Anlage in meinem Zimmer sozusagen als Gegenbeschallung auf volle Pulle. Als die anderen das nicht mal bemerkten, wurde ich richtig sauer: „Die sollen leise sein! Die spinnen wohl! Ich habe ein Recht auf Ruhe!“

Wieso taucht jetzt gerade diese Begebenheit auf?

Lärm machen immer die anderen

Geht es vielleicht gar nicht um die Geräuschkulisse oder Lautstärke an sich?

Mein eigenes Schnarchen höre ich schließlich auch nicht, egal, wie laut es ist.

Oder geht es vielmehr darum, dass ich es persönlich nehme und mein Ego sich durchsetzen will?

Geht es vielleicht überhaupt nur um mich und gar nicht um den anderen?

Zumindest fühlt es sich so an.
Ich nehme es innerlich meiner Freundin persönlich, dass sie mich nicht schlafen lässt. Ich gebe ihr die Schuld. Sie soll damit aufhören, schließlich hat sie auch damit angefangen! Außerdem will ich mir selbst auf „Teufel komm raus“ beweisen, dass ich in der Lage bin, diese Geräusche zu ignorieren. Dass ich so gut bin wie Byron Katie.

Wie wäre es, wenn ich nicht glauben würde, dass ich so nicht schlafen kann?

Wie würde sich das jetzt und hier anfühlen?

Sobald ich mich ohne den Gedanken in die gleiche Situation hineinversetze – meine Freundin schnarcht unverändert neben mir – wird es augenblicklich fühlbar leiser im Raum. Ich spüre, wie mir jemand eine Betonplatte nach der anderen wieder von der Brust runter nimmt. Ich kann endlich wieder unbeschwert und frei atmen. Das ganz leise Schnarchen meiner Freundin klingt in meinen Ohren total friedlich.

Es hatte absolut nichts mehr mit mir zu tun.
Ich muss nicht mehr kämpfen.
Ich kann loslassen.
Und werde gelassener.

Nichts stört mehr und ich bin gedanklich im Nu eingeschlafen wie ein neugeborenes Baby.

Dann drehe ich meinen Gedanken um: „So kann ich schlafen“. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und prüfe, ob die Umkehrung „Ich kann überall schlafen“ auch wahr sein könnte.

Das ist sie auf alle Fälle!

Sogar noch viel wahrer als mein stressiger Ursprungsgedanke. Ich bin immer stolz darauf gewesen, dass ich überall – im Auto, Bahn, Flugzeug, Büro – und in den unmöglichsten Stellungen schlafen kann. Selbst, wenn es laut und hell um mich herum ist oder ich nicht alleine bin.

Wie könnte ich nun meine Erkenntnisse in mein Leben bringen?

Welchen Ratschlag könnte ich mir selbst geben, wenn die Situation so oder ähnlich noch Mal passieren würde?

So findest du deine Ruhe

Ich nehme mir vor, ein Experiment zu machen:
Ich nehme es einfach nicht mehr persönlich. Wenn ich das nächste Mal Schnarchen oder auch andere störende Geräusche wahrnehme, bleibe ich einfach gelassen, höre mir das Geräusch kurz an und sage mir: „Aha, ist ja interessant“. Und dann nehme ich es als normales Umgebungsgeräusch hin, um das ich mich nicht weiter kümmern muss. Und tue das, was ich sonst auch getan hätte, einfach weiter.

Inzwischen sind einige Tage vergangen.

Ich habe meine Freundin in der Zeit mehrmals wieder schnarchen gehört.

Und was soll ich sagen – ich registrierte es kurz und schlief gleich wieder ein.

Nie wieder Lärm empfinden

Ich weiß nicht genau wie, aber mein Experiment hat funktioniert!

Das begeistert mich so an der Work – ich finde darin Zugang zu meiner inneren Weisheit, meiner Intuition. Es werden automatisch komplexe Prozesse angestoßen, auch wenn nach außen hin erst einmal nichts sichtbar wird.

Manchmal braucht man mehrere Anläufe für einen stressvollen Gedanken und ein anderes Mal löst die Untersuchung eines einzigen Satzes eine ganze Lawine von einstürzenden hinderlichen Überzeugungen nach sich.

Das zeigt mir wieder einmal, dass Körper, Geist und Seele eins sind.

Ich fühle mich seitdem spürbar freier und gelassener.
Ein wunderschönes Gefühl!

Übrigens:
In der ganzen Zeit, während ich diesen Text schreibe – immerhin schon seit über anderthalb Stunden – höre ich über Kopfhörer „120 Minuten Schnarchen – Geräusche zum Einschlafen und Entspannen – der Kleine Drache Kokosnuss schläft in seiner Hängematte am Lagerfeuer und lauscht seinem Freund beim Schnarchen“.

Und bin total relaxed dabei.

Wer hätte das gedacht – Schnarchen als Methode zum Einschlafen und Entspannen!

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Wenn du dich auch einmal diesem Selbsttest unterziehen willst, kannst du das hier tun. Gute Entspannung!

Nachtrag

Inzwischen sind seit dieser Geschichte bereits mehrere Wochen vergangen.
Es funktioniert immer noch 🙂

The Work works!

Maik Richter


Tags

Byron Katie, Der Kleine Drache Kokosnuss, Einschlafen, gelebte Umkehrung, Geräusche, Lärm, Ruhe, Schnarchen, stressfrei, The Work


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